Was ist die LGB?

1968 stellten Wolfgang und Eberhard Richter eine ganz besondere Idee vor: Die Lehmann-Gross-Bahn, die erste Modellbahn der Welt für drinnen und draußen. Auch heute ist die LGB nach wie vor einzigartig:

Die LGB ist groß. Der Name "Lehmann-Gross-Bahn" sagt es bereits. LGB ist Baugröße G (hauptsächlich 1:22,5) - viermal so groß wie die Baugröße HO (1:87). Daher lassen sich LGB-Loks und Wagen leicht aufgleisen, auch für Kinder. Die Details an LGB-Fahrzeugen sind so groß, daß man sie mit bloßem Auge sehen kann, und so stabil, daß man sie bedenkenlos anfassen darf. Dennoch mißt ein kompletter LGB-Gleiskreis nicht einmal 1,3 mal 1,3m.

Die LGB ist überall einsetzbar. Gartenbahnen sind, wie der Name schon sagt, Modellbahnen im Garten. Ganz einfach, aber nicht selbstverständlich. Denn bevor es die LGB gab, konnte man seine Modellbahn nicht im Freien einsetzen. Mit der LGB ist das kein Problem. Sie können Ihre LGB bei Sonne, Regen und sogar Schnee fahren lassen. (Ja, es ist schwervorstellbar, seine LGB einfach draussen zu lassen. Aber die LGB ist robust.) Selbstverständlich können Sie Ihre LGB aber auch wie gewohnt in Ihrem Keller oder in Ihrer Stube fahren lassen.

Die LGB bietet Qualität. Dank der LGB-Qualität kann man die Bahn sogar im Freien fahren lassen, egal, ob die Sonne scheint, es regnet oder gar schneit. Die Gehäuse bestehen aus schlag- und wetterfesten Materialien. Die Getriebe sind gegen Schmutz und Feuchtigkeit gekapselt. Die Gleise bestehen aus reinen Messingprofilen. Hinter der LGB-Qualität stehen Service-Stationen und Vertretungen in aller Welt. Vor allem jedoch stehen wir, die Familie Richter, zu unserem Produkt. Wir stellen seit über 120 Jahren Qualitätsspielzeug her. Und auch in Zukunft können Sie sich auf uns verlassen.

Die LGB ist einfach in der Benutzung. Die LGB ist für Leute gedacht, die mit der Modellbahn Spaß haben wollen. Die Gleise lassen sich einfach und ohne Werkzeug aufbauen. Die elektrische Verkabelung ist einfach mit farblich kodierten Kabeln und Anschlüssen. Alles ist so entwickelt, daß es zusammenpaßt ... und zuverlässig funktioniert.

Die LGB macht Spaß. Mit der LGB können Familien und Freunde ein Hobby zusammen betreiben, wie es sonst kaum möglich ist. Kinder und Erwachsene können die Züge zusammen beladen und steuern. Und jeder kann die Gleise verlegen, Gebäude bauen und die Anlage bepflanzen. Mit der LGB betrachtet man nicht nur einen Bildschirm. Man kann im Garten spielen, sich echt mit anderen Leuten unterhalten und seine eigene Anlage kreativ verwirklichen. Denn wenn ein Hobby wirklich interaktiv ist, sollten sich nicht nur Ihre Augen bewegen.

Die LGB bietet ein komplettes Programm. Das LGB-Programm mit über 600 hochwertigen Modellbahn-Artikeln der Baugröße G wird ständig erweitert. Hier finden Sie Dampf-, Diesel und Elloks sowie mehr als 150 Güter- und Personenwagen. Dazu kommen über 30 verschiedene Gleise. Weiterhin gibt es Signale, Oberleitungen, Brücken und Figuren. Und mit LGB Power gibt es die Stromversorgung Ihrer Anlage aus einer Hand, ob herkömmlich analog oder digital mit dem Mehrzugsystem. Damit können Sie jede Anlage betreiben, vom einfachen Gleiskreis aus dem Starter Set bis zur riesigen Gartenanlage.

Die Geschichte der Lehmann-Gross-Bahn

Die Firma Lehmann ist vielleicht der bekannteste und traditionsreichste Spielzeughersteller der Welt. Das aus der Begegnung Ernst Paul Lehmanns mit Jean Eichner im Jahre 1881 hervorgegangene Unternehmen erlebte den Ausbruch des zweiten Weltkrieges unter Leitung von Wolfgang Richters Vater, Johannes Richter, einem Vetter Ernst Paul Lehmanns, der im Alter von zwanzig Jahren in die Firma eingetreten war. Johannes Richter war bei Kriegsausbruch also schon fast sechzig, aber er weigerte sich von Anfang an mutig, sein Werk in den Dienst der Rüstungsindustrie zu stellen und eine entsprechende Produktion aufzunehmen. Die Auftragseingänge gingen drastisch zurück, und die Blechzuteilung wurde kontingentiert. Dennoch gelang es, Johannes Richter, sein Werk als Spielwarenfabrik bis in die letzten Kriegsphasen zu erhalten, wobei er bei der bevorzugten des Deutschen Marktes sogar über die Schweiz ein allerdings stark eingeschränktes Exportgeschäft betrieb. Was an restlicher Ware bei Kriegsende noch im Werk vorhanden war, fiel der Roten Armee, die über Brandenburg walzte, zum Opfer. Sowjetoffiziere, die das Werk mit bewunderndem Siegeslächeln inspizierten, beschlagnahmten dies und das, und weit vor oder hinter dem Ural freuten sich vielleicht russische Kinder über das unverhoffte Geschenk, das der Krieg Ihnen beschert hatte.

Im Gegensatz zu den angetanen russischen Vätern war der kommunistischen Regime der damaligen DDR der immer noch anhaltende Erfolg dieses Privatunternehmens ein Dorn im Auge. Johannes Richter wurde verhaftet. Die Zahl seiner Angestellten hatte angeblich die erlaubten Grenzen überschritten. Nach 4 Tagen ließ man Ihn wieder frei. Für eine weitere Inhaftierung oder gar eine Anklageerhebung ließ sich kein Vorwand finden, schon gar nicht der Rüstungsindustrieller gewesen zu sein. Aber die Tage an der Havel waren gezählt und 1948 war es dann soweit: Ein anscheinen nicht sehr glücklicher Behördenbote überbrachte den Enteignungsbescheid, den er selbst offen bedauerte. Ernst Paul Lehmann war nun ein Volkseigener Betrieb. Johannes Richter nun schon seine siebzig, brachte seine Frau und drei seiner Kinder auf die andere Seite des Eisernen Vorhags nach Nürnberg.

"Nürnberg ist das Herz der Spielwarenindustrie", pflegte Johannes Richter zu sagen. Und wenn es für Ihn einen Neubeginn geben sollte, dann dort oder nirgends. Die westdeutsche Konkurrenz, besonders im fränkischen Raum, war alles andere als erfreut über den Zugang dieses neuen Mitbewerbers um die Gunst Ihrer Kunden. Auch ohne Kapital, Maschinen und Mannschaft war er gefürchtet, und das zu Recht, wie sich bald zeigen sollte. Vorerst aber ging Johannes Richter, arm aber frei wie er war, daran, seine Familie für den Neuaufbau zu gewinnen. "Bessere Voraussetzungen haben wir nie gehabt", waren seine Worte, und letzten Endes muss er damit richtig gelegen haben.

Im Hinterhof des Nürnberger Hauses in der Rosenaustr. 5 begann der lange Weg der Familie Richter zu einer der modernsten Spielzeugfabriken an der Saganer Str. 1-5 in Nürnberg-Langwasser, wo sich heute die Fabrikationsstätten in fast unmittelbarer nähe zum Messegelände befinden. Mit einer Maschine und drei Mitarbeitern produzierte man einen Kreisel den die Söhne Wolfgang und Eberhard an Ständen in großen Kaufhäusern feilboten. Ein ausgebombtes und wiederhergestelltes Haus, eine mit Körperkraft angetriebene Maschine und ein Kredit von 20000,- DM nach einem halben Jahr - damit hatte der unaufhaltsame Aufstieg der Nachkriegsfirma Lehmann wirklich begonnen. Das wichtigste Startkapital allerdings, das selbst im Verstaatlichungsverfahren nicht zu enteignen war, bestand in dem guten Ruf der Firma Lehmann, den man mitbrachte. Heute verdankt eine Nürnberger Bank der Fürsprache des Mitbegründers der Nürnberger Spielwarenmesse für die oben erwähnte Kreditgewährung an die Firma Lehmann eine Ihrer besten Nachkriegsinvestitionen. In der Familie Richter hatte man gelernt, Visionen in Wirklichkeit zu verwandeln. "Macht Spielzeug", sagte der alte Mann zu seinen Söhnen, "damit verspielt Ihr nicht". Mit dem Tode von Johannes Richter, der 1956 im Alter von 74 Jahren starb, ging die Leitung des Unternehmens auf seine beiden Söhne Wolfgang und Eberhard über.

Spielzeugherstellung war für die Richters immer schon eine Familiensache. Wolfgang Richter erinnert sich, wie die Kinder sonntags an der Hand des Vaters die Werksanlagen besuchten und wie beeindruckend sich die Säulen von Spielzeug in den Lagerräumen stapelten. Irgendwann schrieb er einmal eine Abhandlung über die Antriebsquelle mit Ihren vielen Transmissionen zu den verschiedenen Maschinenstandorten: "Herz aller Dinge und unbestrittener Anziehungspunkt für uns Kinder war die Lokomobile. Diese Dampfmaschine auf Rädern lieferte die gesamte im Werk benötigte Energie und machte damit Fertigung von der öffentlichen Energieversorgung unabhängig. Der schwarze fauchende Saurier, den wir durch die Fenster des Maschinenhauses erblickten, wurde von Herrn Lorenz, dem Heizer, mit Bergen von Kohlen gefüttert. Manchmal ließ er uns die eisernen Leitern zu den verschiedenen Plattformen hinauf, wo wir die auf Hochglanz polierten Messinghebel, Armaturen, Handläufe und Abschmiernippel sowie die kraftvoll geschmeidige Bewegung der stahlglänzenden Kolbenstangen aus der nähe bewundern konnten. Kaum je werde ich diese unvergessliche Ausdünstung der Maschine mit dem Geruchsgemisch aus Rauch, heißem Öl, Fett und Wasserdampf verlieren. Für mich war dieses Monster, wie eine gewaltige gefangene Schnellzuglokomotive, nur das man eher die Räder obenauf an Ihr sah als die, mit denen sich Lokomobile sich fortbewegen, wenn sie nicht stationär eingesetzt sind".

Ende der 50er Jahre waren die Aussichten in der Spielzeugbranche nicht allzu rosig. Den früher von der Firma Lehmann beliferten Exportmarkt gab es praktisch nicht mehr, und auf dem Inlandsmarkt sah es auch nicht viel besser aus. Der älteste Sohn der Familie Richter wurde Arzt, die älteste Tochter Zahnärztin. Die anderen Mädchen heirateten einen Bankier, einen Lehrer, einen Patenanwalt. Und obwohl die Firma wieder auf eine solide Basis gestellt worden war, sah es um 1963 so aus, als sei der Markt begrenzt und ohne viel Expansionsspielraum. Als auch noch hartnäckige und mitunter skrupellose fernöstliche Konkurrenten mit häufig minderwertigen Imitationen die Waren der Firma Lehmann zu unterbieten drohten, erinnerte sich Wolfgang an seine Kindheit.

Er dachte daran, wie sie von einer Erzieherin Nina zusammen mit Ihren Eltern und Haufen von Gepäck in zwei Zugabteilungen gepfercht wurden. Dies geschah regelmäßig wenn Sie in den Ferien an die Ostsee fuhren. Dann bewunderte Wolfgang die aufregenden Dampflokomotiven und natürlich musste er einen eigenen Zug zum Spielen haben. Es war ein grün/schwarzes Modell mit aus Zinndruckguß mit einem aufziehbaren Laufwerk. Gern hätte Wolfgang damit so manches mal im Garten gespielt, doch die Feuchtigkeit griff das Zinn an und viel zu leicht trat man auf die empfindlichen Schienen.

Wohl vom Vorbild des erfolgreichen Vaters inspiriert, bastelte der Junge manchmal an Schiffs- oder Flugzeugbauten, die er nach eigenen Entwürfen aus Holz schnitzte, wobei er sich von Fotos und Konstruktionsplänen anregen ließ.

Eines davon an das er sich noch gut erinnern kann, ähnelte der heutigen 2010 Lokomotive im LGB Sortiment. Es war eine altertümliche, zweiachsige Dampflok mit geradem Schornstein und in der Größe die durchaus mit den heutigen LGB Modellen vergleichbar ist. Natürlich bestanden die Schienen aus Holzleisten, die mit Kleber und Nägeln auf Hölzernen Verbindungsstücken befestigt waren. Es gab da sogar Kreuzungen, auch Gebäude und Weichen, letzere natürlich handbedient. Für den Jungen waren die Räder das größte Problem. Also ging er in der Mittagspause, während der Vater zu Tisch war, in die Fabrik und fragte einen Beschäftigten in der Versandabteilung, wo die Holzkisten für den Versand hergestellt wurden und ob der Kistenmacher Ihm helfen könnte. Natürlich fragte er nicht vergebens und der Dreher drehte ihm auf seiner Drechselbank Räder mit Spurkränzen, um Wolfgangs Jugendtraum auf die Beine zu helfen. 1963 bekamen Wolfgang Richter und seine Frau ihr erstes Kind, Rolf, heute in der leitenden Funktion des Unternehmens. Sehr deutlich hat Rolf Richter im Gedächtnis, wie sein Vater Wolfgang wie sein Vater Wolfgang selber Spielzeuge für die Kinder herstellte. Er weiß noch sehr genau, wie sein Vater 1963 ein Modell aus Pappkarton herstellte, welches 5 Jahre später als Vorlage für den ersten LGB Zug dienen sollte. Das schöne an diesem Arche Typ (er wurde mehrere Male hergestellt, zuerst aus Karton, dann in Holz und danach aus Plastikteilen zusammengeklebt) war, dass man als Kind diesen Zug wunderbar mit anderen Spielzeugen kombinieren konnte, selbst wenn die Größenverhältnisse nicht genau stimmten.

Es dauerte noch zwei Jahre bevor Wolfgang Richter seinen Bruder Eberhard davon überzeugen konnte, dass eine Modellbahn die Größer war als alles was es bisher gab, eine neue Zukunft für das Unternehmen bedeuten würde. Zwei Jahre des Entwerfens und Verwerfens, des Suchens nach geeigneten Motoren und des Abwägens! Eberhard Richter erkannte klar und deutlich, dass die Firma sich erheblich vergrößern musste um ein komplettes Sortiment einer solch großen Modellbahn herstellen zu können. Außerdem, und das war eine ständig geübte Praxis, mussten die Brüder zu einer Meinung kommen bevor ein Vorhaben in die Geschäftsstrategie des Unternehmens eingehen konnte. Schließlich stimmte Eberhard zu. Die Bahn würde ohnegleichen sein. Märklin und Bing hatten bis in die 30er Jahre Modellbahnen der Spurgröße 1 hergestellt, aber von da an war der Trend immer stärker zu den kleineren Bahnen gegangen. Zuerst war die Spur 0 aufgekommen. Eine Baugröße im MAßstab 1:48, also etwa halb so groß wie die LGB.; dann erschien 1935 H0 auf der Bildfläche, eine Baugröße im Maßstab 1:87. Nach dem 2. Weltkrieg erreichte die Miniaturisierung der Modellbahnen mit den Spuren N (1:60) und Z (1:220). ihren Höhepunkt. Klein, kleiner, am kleinsten. Aber LGB würde auf groß setzen.